Sieg und Niederlage
| Wert eines Sieges oder einer Niederlage
Hartes Brot, Süsses Brot
Mitleid und Ausreden
Weg des Samurai
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Sieg und Niederlage sind gleichwertig. Beide bewirken
Veränderungen des Erfahrungshorizontes, der persönlichen Beurteilung von
Lebenssituationen. Ich bin überzeugt, dass beide Vorgänge gleich stark
entwicklungsbeschleunigend sind. Auch im persönlichen Empfinden sind Sieg und Niederlage gleichbedeutend: Ein Sieg, wie auch eine Niederlage, erzeugt lang anhaltende Emotionen, die Verhaltensänderungen oder veränderte Sichtweisen von Situationen auslösen. Ein Sieg darf genau so emotionsgeladen gefeiert werden wie eine Niederlage, die auf Grund unserer Erziehung als Schmach und Schande empfunden wird. Eine Niederlage ist hartes Brot, ein Sieg ist süsses Brot. Mit dem unterlegenen Gegner darf man kein Mitleid haben, aber man soll ihm den selben Respekt zollen, den man als Sieger verdient hat. Der Einsatz des Verlierers ist gleichwertig zum Einsatz des Siegers. Der Verlierer verdient die gleiche Achtung wie der Sieger. Zollt der Sieger einem Verlierer nicht den angemessenen Respekt, ist der Sieger des Sieges nicht würdig. Eben so verdient der Verlierer die Achtung der Unbeteiligten und des Siegers nicht, wenn er mit Ausflüchten und Entschuldigungen seine Niederlage zu erklären versucht. Niederlage bleibt Niederlage und Sieg bleibt Sieg. Für den Samurai ist der Sieg gleich wie die Niederlage: Beide sind vergänglich und sind nur unterschiedliche Ansichten einer Sache auf dem Weg. Der Weg des Samurais ist der Tod. Wenn dich ein Gegner mit der gleichen Überzeugung angreift, hat er dann nicht deinen höchsten Respekt verdient? Sieg oder Niederlage ist nicht mehr wichtig. Bedeutend ist die Veränderung im Leben der beiden Gegner. Im Schwertkampf bedeutet diese Veränderung für einen den Tod, für den andern das Leben. Sind das nicht gleichwertige, aber verschiedene Ansichten der selben Sache? Im Alltag, den wir Samurai leben, bedeutet dies, unsere Gegner hart zu bekämpfen und sie zu respektieren. Wir Samurai essen hartes Brot und wir essen süsses Brot und beides ist eine Bereicherung. |
KT, im November 2005
Für die Seite verantwortlich: Karl Traber